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Hotels mit Literaturangebot

Reisen im Kopf – Urlaub mit der Lizenz zum Lesen

Reisende und Lesende verbindet vor allem eines: der Wunsch, neue Welten zu entdecken. So gesehen war es nur eine Frage der Zeit, bis die "Bibliotels" erfunden wurden: Unterkünfte mit speziellem Literaturangebot.

Dass viele Menschen vor allem im Urlaub gerne zu einem guten Buch greifen, ist nichts Neues. Sehr wohl aber, dass es jetzt eine neue Art von Unterkünften gibt, die sich genau auf dieses Publikum spezialisiert haben: die Bibliotels. Mit diesem Angebot reagieren die österreichischen Gastgeber nicht nur auf den steigenden Literaturkonsum in Österreich und Deutschland. Es steckt vor allem der Wunsch dahinter, den Gästen im Urlaub einen Mehrwert zu bekannten Annehmlichkeiten wie der Schönheit der Natur, dem ausgezeichneten Essen oder dem charmanten Service zu bieten und ihr Reiseerlebnis auf diese Art zu vertiefen und zu bereichern.

Der logistische Clou an der Idee aus der Innovationswerkstatt Sebastian Mettler aus Salzburg: Erstmals kooperieren Tourismusbetriebe mit Verlagen, Buchhändlern und Bibliotheken, um dem Gast ein anspruchsvolles und vielfältiges Lesevergnügen zu bieten. Dank der Zusammenarbeit spannt sich der Bogen der in den Bibliotels aufliegenden Bücher von brandaktuellen Neuerscheinungen bis hin zu Klassikern der Weltliteratur, von internationalen Bestsellern bis hin zum beachtlichen Repertoire österreichischer Autoren. Wer ein Land im Urlaub richtig kennen lernen will, sollte sich eben auch mit seiner Literatur befassen – und gerade Österreich war und ist mit schriftstellerischem Talent reich gesegnet. Um die touristische Marke "Bibliotels" binnen drei Jahren noch bekannter für die Bevölkerung zu machen, wurde u.a. die verkaufsfördernde Aktion "StadtLesen" entwickelt. Bei "StadtLesen" wird öffentlicher Raum in ausgewählten Städten ab Sommer 2009 zu einem gemütlichen "Lesewohnzimmer" umgepolt. Dank unterstützenden Partnern aus der Möbel- und Bücherwelt ist es möglich, dieses SPEKS (= Spektakuläre Aktionen im öffentlichen Raum) in allen 9 Landeshauptstädten Österreichs und in weiteren 30 Städten Deutschlands durchzuführen.

Das "Amadé Hotel Schaffenrath" in Salzburg zum Beispiel konzentriert sich auf Literaten von Weltrang, die dieses Bundesland hervorgebracht hat, wie Thomas Bernhard, Stefan Zweig oder Peter Handke. Im Hotel "Waldheimathof" in der Heimat Peter Roseggers sind vor allem Werke aus der Feder des steirischen Schriftstellers vorzufinden, das "Landhotel Falkner" widmet sich vor allem der Literatur aus Oberösterreich, während sich das "Hoteldorf Grüner Baum" in Bad Gastein mit der Literatur von Ludwig Ganghofer beschäftigt, der hier Anfang des 20. Jhdt. seinen Hochlandroman "Der laufende Berg" niedergeschrieben hat. Nach ihm wurde auch ein Stüberl im Hotel benannt.

Aber was unterscheidet nun ein "Bibliotel" von einem "Hotel mit Bibliothek"? Eine ganze Reihe kreativer Ideen, die lesefreudigen Gästen den Aufenthalt versüßen. So findet man als Gast bereits bei der Ankunft auf dem Zimmer sein persönliches Wunschbuch vor, das man bereits bei der Buchung aussuchen kann. Die allgemeine Bibliothek des Hauses bietet je nach Kategorie zwischen 300 und 1500 Bücher, darüber hinaus stehen Hörbücher, MP3 Player, Tageszeitungen und Zeitschriften zur Verfügung. Auch die Ausstattung ist ganz auf die lesende Klientel ausgerichtet: Von gemütlichen Hängematten, kuscheliges Sofas und Lesestühlen bis hin zu Leihbrillen für Vergessliche und einem Langschläferfrühstück für alle, die wieder einmal bis in die späten Nachtstunden hinein gelesen haben. Der Ideenreichtum kennt nahezu keine Grenzen: Für den literarischen Tagesausklang sorgen bibliophile "Betthupferln" in Form von Ansichtskarten mit je einer Kurzgeschichte, die dem Gast aufs Bett gelegt werden.

 Viele der Bibliotels widmen sich ganz bestimmten Themen: So gibt es Romantik-Bibliotels, Alpen-Bibliotels oder Krimi-Bibliotels wie das Ferienhotel "Haus am See" am Kärntner Weissensee. Die "Krimi-Lichtung" in der Nähe dieses Bibliotels ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Gastgeber mit speziell gestalteten "Lese-Themenräumen" die Phantasie des Lesers anregen und das jeweilige Genre inszenieren: Der Gast erhält im Hotel einen Schlüssel zu einer Schatzkiste, die auf einer Waldlichtung versteckt ist. Darin erwarten den Finder ausgewählteKriminalromane – vor allem in der Dämmerung ein durchaus spannendes Vergnügen. Ein weiteres Beispiel ist das Tiroler "Bergwell-Hotel Dorfschmiede", in dem man sich auf "Wilderer-Literatur" spezialisiert hat. Dank der Kooperation mit der örtlichen Jagdvereinigung können die österreichischen Heimatromane auf Wunsch direkt am Schauplatz der Handlung gelesen werden: mitten in der Natur, auf dem gemütlich ausgestatteten Jägerhochstand.

Rund 50 Bibliotels gibt es derzeit allein in Österreich und bei der Buchung schon werden sie in fünf Kategorien unterteilt: Zwei Buch-Symbole bedeuten eine Auswahl von mindestens 300 Büchern, während man in einem Fünf-Buch-Bibliotel aus rund 1.500 Büchern wählen kann. Damit auch in qualitativer Hinsicht höchste Ansprüche erfüllt werden, haben die Initiatoren eine Reihe strenger Kriterien definiert. Belesenes und leseaffines Personal und die bereits erwähnte optimale Ausstattung gehören ebenso dazu wie eine gute Lage und weiträumige Grünflächen bzw. Ruhezonen. Schließlich braucht selbst der leidenschaftlichste Bücherwurm zwischendurch eine kleine Pause. Und nach einer ausgedehnten Wanderung an der frischen Luft, einer fordernden Mountainbike-Tour oder einem erfrischenden Bad in einem der klaren Seen hat man umso mehr Lust, sich mit einem guten Buch zurückzuziehen und zu entspannen. Einzig die Art der Unterkunft ist bei den Bibliotels nicht definiert. Schließlich lässt es sich am Kachelofen einer gemütlichen Almhütte ebenso gut schmökern wie in einem sonnigen Weingarten oder in der Wellness-Landschaft eines Fünf-Sterne-Hotels.

"Nicht, dass man ohne Lesen nicht Reisen könnte, oder ohne Reisen nicht Lesen, aber lesend reist es sich besser und reisend liest es sich besser. In den Bibliotels finden Urlauber, die der Leselust uneingeschränkt frönen wollen ideale Bedingungen vor", erzählt uns Sebastian Mettler, Tourismusinnovator. Seine Innovationswerkstatt ist auf die Entwicklung und Umsetzung touristischer Produkte spezialisiert, so wurden zum Beispiel Produkte wie der Salzburger Bauernherbst, die Sanfte Mobilität, die Schifffahrt auf den Trumer Seen und viele mehr vom touristischen Vordenker entwickelt.

Die ehrgeizigen Ziele der Innovationswerkstatt fügen sich nahtlos in die hohen Qualitätsstandards der Betriebe ein. In drei Jahren sollen 150 Bibliotels in unterschiedlichen Kategorien und Ausprägungen für Gäste buchbar sein. Die Marke wird in der Planung der "Erfinder" zumindest in allen deutschsprachigen Ländern als feste Größe am Markt positioniert werden.