Protektoren: Wieviel Sicherheit muss sein?

Der richtige Mix aus Sicherheit und Spaß

Sicherheit muss sein, aber ganz in Watte packen geht auch nicht. Über den richtigen Mix von Sicherheit und Fahrspaß im Wintersport.

"Protektoren, braucht man die wirklich?" Das fragt sich wohl gerade so mancher unentschlossener Wintersportler beim Überprüfen seiner Ausrüstung, gleich nachdem er den nächsten Skiurlaub gebucht hat. Erst seit ein paar Jahren ist die Sicherheitskleidung der Motorradfahrer im Wintersport angekommen. Vielen Wintersportlern, die sich bisher mit Helm, Ellenbogen- und Knieschonern begnügt haben, steht das Aufrüsten noch bevor. Was man auf der Piste für seine Sicherheit tragen sollte, hängt ganz davon ab, wie und welchen Sport man betreibt. Außerdem spielt das individuelle Sicherheitsempfinden eine wichtige Rolle. Abzuwägen ist der Schutz aber immer gegen die Bewegungsfreiheit: Ist diese zu stark eingeschränkt, tut man damit weder dem Fahrspaß noch der Sicherheit letztendlich einen Gefallen.

Blick auf die Schuhe eines Skifahrers, mit Protektoren.
Pixabay.com © Simon (CC0 Public Domain 1.0)

Auch Andreas König, Sicherheitsexperte des Deutschen Skiverbandes (DSV), rät in einem Interview mit der tz.de daher von einem "Wettrüsten" ab. Die Unfallstatistik zeige jedoch, dass man mit Protektoren besonders für Rumpf und Schultern das Verletzungsrisiko deutlich verringern kann. Für Snowboardfahrer ist der Schutz von Rumpf und Rücken etwas wichtiger als für Skifahrer, die wiederum besonderen Wert auf einen guten Helm legen sollten.

Softprotektor oder Hartschale?

Für normale Skifahrer, die etwas für ihre Sicherheit tun wollen, empfehlen sich Protektorenwesten. Diese sind mit weichem Dämpfungsmaterial ausgestattet, daher sind sie leicht zu tragen und schränken die Bewegungsfreiheit kaum ein. Außerdem bilden sie eine zusätzliche Kleidungsschicht, weswegen sie trotz der meist luftigen Materialien für ein wohlig warmes und sicheres Gefühl sorgen. Die Westen werden unter der Skijacke getragen, wärmere Modelle können dabei auch eine Schicht der Unterbekleidung ersetzen.

Obwohl sie so luftig daher kommen, haben es die Softprotektoren in sich. Der weiche Panzer besteht aus einem speziellen Kunststoff, der sich bei einem Aufprall verfestigt und so den Körper schützt. Ansonsten passt sich das Material aber elastisch jeder Bewegung an und ist kaum zu spüren. Schon nach kurzer Aufwärmzeit hat man sich an das Fahrgefühl mit Softprotektor gewöhnt und dem Fahrspaß steht nichts mehr im Wege.

Hartschalenprotektoren hingegen schränken die Bewegungsfreiheit deutlich stärker ein und werden in der Regel nur bei erhöhtem Risiko empfohlen. Extremsportler, die mit Vollgas die Piste hinunter wollen, Freerider, die abseits der Piste unterwegs sind oder Snow-Park-Enthusiasten, die sich mit Sprüngen und Saltos austoben, fahren damit oft besser. Hartschalenprotektoren werden mit Brust- und Hüftgurten am Rücken befestigt und erinnern ein wenig an einen Schildkrötenpanzer. Ein besonderer Vorteil gegenüber Softprotektoren ist, dass er gegen das Durchdringen spitzer Gegenstände – Steine, Äste und sogar Skistöcke – schützt, was besonders für Freerider ein klares Plus ist.

Prüfnorm und Passgröße: Das ist beim Kauf zu beachten

Beim Kauf von Rückenprotektoren ist unbedingt zu beachten, dass das Produkt die europäische Norm EN 1621 erfüllt und über ein entsprechendes Prüfzeichen verfügt. Die Norm wurde aus dem Motorradsport übernommen und unterscheidet zwei Schutzklassen. Gemessen wird in Kilonewton (kN), wie viel Aufprallenergie bei einem Schlag auf den Protektor an den Körper übertragen wird. Je geringer die Zahl, desto besser der Schutz. Um das Prüfzeichen der Schutzklasse 2 zu erhalten, dürfen nicht mehr als 12 kN durchkommen – einige Protektoren kommen mittlerweile sogar schon auf 5 kN. Darüber hinaus sollte das Produkt temperatur- und feuchtigkeitsbeständige Materialeigenschaften haben und den ergonomischen Anforderungen des Wintersports gerecht werden (weitere ausführliche Tipps dazu auf sport-fachhandel.com.

Protektoren schützen nur dann sicher, wenn sie perfekt sitzen. Es ist daher besonders wichtig, das Produkt anzuprobieren und sich fachkundig beraten zu lassen. Wenn der Protektor nicht optimal sitzt, kann er bei einem Sturz verrutschen und die Schutzwirkung ist dahin. Bei der Anprobe sollte man daran denken, schon gleich die Skiunterwäsche mitzunehmen, damit später auf der Piste auch alles perfekt passt. Ein guter Tipp ist außerdem, sich ein pflegeleichtes Modell auszusuchen, bei dem man die Protektoren leicht entnehmen kann, um es zu waschen. So hat man lange Freude am Produkt. Für optimale Sicherheit sollte man Protektoren nach einem heftigen Sturz ersetzen, bei normalem Gebrauch können sie fünf bis sechs Jahre getragen werden.

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