Die Gerlitzen, ein Berg im Herzen von Kärnten, liegt nur wenige Kilometer von Villach entfernt und erhebt sich beeindruckend über den smaragdgrünen Ossiacher See, dem drittgrößten See des sonnigen Bundeslandes im Süden Österreichs.
Die Gerlitzen ist Heimat eines der größeren Skigebiete in Kärnten, mit über 50 Pistenkilometern, 21 Liftanlagen und 34 Pisten. Aber lohnt sich ein Besuch? Und kann man hier einen lohnenswerten Skiurlaub verbringen? Das wollten wir testen und begaben uns Ende Januar 2026 nach Villach, die herrlich an der Drau gelegene, siebtgrößte Stadt Österreichs.
Als wir am Nachmittag in Villach ankommen, ist der erste Eindruck nicht sonderlich positiv: Schneeregen, Matsch auf den Wegen, Hotelzimmer mit Blick auf den Parkplatz anstatt auf die Drau. Das hätte besser laufen können, die Laune ist im Keller – also was tun? Am besten erstmal etwas essen gehen, das schadet nie. Also raus auf die Bahnhofstraße und über die Draubrücke in Richtung Altstadt – und schon hier ist die Laune deutlich verbessert. Trotz Schmuddelwetters verweilen wir kurz auf der Brücke und genießen die Aussicht auf den sich elegant durch die Stadt schlängelnden Fluss.
Die Drau, ein Nebenfluss der Donau, wird hier farbenfroh beleuchtet. Im scheinbar bewegungslosen Wasser spiegelt sich die Altstadt Villachs. Schön sieht es aus, beeindruckend schön. Gleiches gilt für die Fußgängerzone und die Altstadt Villachs, die gesäumt ist von historischen Gebäuden, interessanten Geschäften, Bars und Restaurants. Ein Ort zum Wohlfühlen, keine Frage. So hebt sich unsere Laune, als wir am Hauptplatz vorbeischlendern, die Stadthauptpfarrkirche St. Jakob bestaunen, den spektakulär geschmückten Eislaufplatz vor dem Rathaus entdecken und die kleinen Gassen der Altstadt erkunden. Eine gute Pizza treiben wir in der Ledergasse auch noch auf, und so ist der Abend gerettet und wir freuen uns auf den ersten Skitag auf der Gerlitzen am nächsten Tag.
Am Morgen begrüßt uns in Villach leichter Regen. In der Hoffnung, dass uns am Berg wenigstens Schneefall erwartet, starten wir mit dem Auto und finden uns in nur 12 Fahrminuten an der Talstation Annenheim direkt am Ossiacher See wieder. Egal ob mit dem Auto, dem Zug oder mit dem Bus, die Gerlitzen ist von Villach aus, aber auch aus den anderen Himmelsrichtungen, sehr leicht zu erreichen. Der Bahnhof Annenheim liegt nur etwa 5 Gehminuten von der Talstation der Kanzelbahn entfernt, die von hier die Gäste auf die Kanzelhöhe transportiert. Wer bereits online seinen Skipass gebucht hat, fährt mit Skiausrüstung sogar mit allen ÖBB S-Bahn Zügen umsonst.
Auch mit dem Auto ist der Komfort groß. Mehr als 1.000 kostenlose Parkplätze in Annenheim, nochmal 1.200 auf der Nordseite der Gerlitzen bei den Klösterlebahnen und noch mehrere weitere Parkplätze sorgen für entspanntes Ankommen und Abreisen. Übrigens: Von Klagenfurt und Spittal an der Drau braucht man nur rund 30 Minuten zur Talstation in Annenheim!
Nach einem kurzen Schwätzchen mit Gerlitzen-Urgestein und Parkeinweiser Bert geht es hinauf mit der Kanzelbahn, einem weiteren Urgestein der Gerlitzen. Die Gondelbahn stammt aus dem Jahr 1987 (erstmals wurde hier bereits im Jahr 1927 eine Seilbahn gebaut!), bietet nur vier Personen Platz und besticht mehr durch das nostalgische Erlebnis als durch Modernität. Dank hoher Frequenz schafft sie aber bei Bedarf jede Menge Leute aus dem Tal auf die Kanzelhöhe auf 1.500 Meter Seehöhe.
Die Kanzelhöhe ist neben dem Gerlitzen-Gipfel Dreh- und Angelpunkt des Skigebietes. Hier sorgen zwei Restaurants (Sunnalm & Prinzhütte) für den perfekten Einkehrschwung, dazu können Familien mehrere Übungslifte, einen kurzen 2er-Sessellift, einfach Übungshänge, eine Wellenbahn und insgesamt Top-Voraussetzungen zum Üben und Erlernen des Schneesports vorfinden.
Als wir auf der Kanzelhöhe ankommen, hat sich der Regen bereits in Schneefall verwandelt und wir starten bei schlechter Sicht und guten Schneebedingungen in den Skitag. Die Gipfelbahn (4er-Sessellift) bringt uns auf ebendiesen und wir wuseln uns durch das dichte Schneetreiben. Vom 1.911 m hohen Gerlitzen-Gipfel kann man sich fast in alle Himmelsrichtungen bewegen. Nach Norden führen die langen Abfahrten 13, 14, 15 und 16 bis zur Talstation der Klösterlebahn I, für uns mit die schönsten auf der Gerlitzen Alpe.
Breite Pisten mit recht wenig Gefälle bestimmen das Bild im Skigebiet, perfekt für Familien und zum ausgiebigen Carven. Steilhänge sucht man vergebens, trotzdem müssen sportliche Skifahrer nicht vor Langeweile die nächstbeste Hütte aufsuchen. Auch wenn sich das auf der Gerlitzen durchaus anbietet: 15 Hütten laden die Skigäste zur Einkehr ein: von der Edelweisshütte bei der Klösterle Talstation (Große Sonnenterrasse, angenehmes Après-Ski-Feeling. Burger, Pizza, Kärntner Schmankerl und Craft Beer aus eigener Hausbrauerei) über Alpe-Adria Mountain Slow Food auf der Sunnalm bis zur Pöllingerhütte, auf deren gemütlicher Terrasse man einen spektakulären Panoramablick genießt.
Uns zieht es nach zahlreichen Abfahrten und kalt-nassen Liftfahrten aber in eine andere Hütte, und zwar die einladende Huaba-Hitt´n an der Kanonenrohrabfahrt nahe der Talstation der Klösterlebahn II. Eine mehr als gute Wahl: Kärntner Spezialitäten und selbstgemachte Speisen aus eigener Landwirtschaft in einer gemütlichen Stube sind genau das, was man sich als durchgefrorener Skifahrer (und Snowboarder) erhofft und erwünscht. Egal ob Kärntner Kasnudeln, Schweinsbraten oder Kaiserschmarrn – hier schmeckt alles.
Das Hüttenteam rund um Gastgeberfamilie Pilgram sorgt mit seiner guten Stimmung für das ein oder andere Lächeln auf dem Gesicht ihrer Gäste. Und so, draußen schneit es weiter und weiter, verbringen wir länger als die klassische halbe Stunde zur Mittagspause in der Huaba Hütte und lassen es uns richtig gut gehen. Irgendwann wollen wir dann doch los, gut gesättigt und beseelt, doch bei Aufbruch ist der Schreck groß: Nur Barzahlung möglich? Ach herrje, Bargeld haben wir kaum dabei. Naja, kein Problem, direkt vor der Hütte steht nämlich, gut in einer Holzzelle verpackt, ein Geldautomat – was es nicht alles gibt in den Bergen.
Der Rest des Tages ist kurz, zu lange haben wir auf der Hütte verweilt, zu dicht ist das Schneetreiben. Für ein paar schöne Abfahrten, zum Beispiel über die Feuerbergabfahrt zum Wörthersee 6er Family Jet und die steilste Piste im Skigebiet, die Panoramaabfahrt Nr. 2, reicht es noch. Aber dann haben wir genug vom Schneegestöber, morgen soll gutes Wetter werden. Also ab zur Kanzelhöhe, hinein in die Gondel, vom Parkplatz ein paar Minuten nach Villach gefahren und obwohl man eben noch mitten in den Bergen war, ist man eine Stunde später mitten in der Stadt.
Unser Tipp: Wenn ihr euch nach einem Restaurantbesuch in der Altstadt (z.B. im empfehlenswerten Panperfocaccia, im Restaurant Goldenes Lamm oder auch beim sympathischen Griechen Delphi) noch einen Drink genehmigen wollt, besucht den Irish Pub McMullens – angenehmes Flair und eine große Getränkeauswahl. Top!
Als wir uns am nächsten Morgen früh zur Gondelbahn begeben (die Liftanlage in Annenheim startet übrigens schon um 7:55 Uhr am Morgen – perfekt für Frühaufsteher!), lässt sich bereits erahnen, dass es ein fantastischer Skitag werden wird. Rund 20 Zentimeter Neuschnee, strahlend blauer Himmel, Minusgrade – ein “Bluebird”-Tag, wie er im Buche steht (zu sehen im Video weiter oben). Keine Minute zu früh kommen wir am Gerlitzen Gipfel an und nutzen den Vormittag, um die perfekt präparierten Pisten, die sich gestern noch hinter einer dichten Schnee- und Nebelsuppe versteckten, neu zu entdecken.
Erstes Highlight: Die wenig befahrene Pacheiner-Familienabfahrt, die am Pacheiner-Schlepplift endet und uns bei jedem Schwung frohlocken lässt.
Zweites Highlight: Der Panoramablick vom Gipfel, der in live doch um ein Vielfaches schöner ist als beim Blick auf die Webcam. Majestätisch erheben sich in der Ferne die Karawanken und Karnischen Alpen, die Sonne funkelt im frischen Schnee, die Gesichter der Wintersportler lächeln um die Wette – grandios.
Übrigens: Auf dem Gipfel der Gerlitzen gibt es das Gerlitzen Gipfelhaus, das auch einige, schön renovierte Zimmer für Übernachtungsgäste bereit hält.
Der Tag auf der Gerlitzen endet nach einer Einkehr in der Pöllingerhütte (sehr gut!) und zahlreichen Abfahrten so, wie er angefangen hat – mit einem Strahlen auf dem Gesicht. Was für ein Skitag im Herzen Kärntens, es hätte kaum schöner sein können.
Die Gerlitzen ist auch bei Tourengehern sehr beliebt. Insbesondere das Tourengehen am Pistenrand der 6,3 km langen Klösterle Talabfahrt ist sehr beliebt, davon konnten wir uns selbst überzeugen.
Ihr steht auf Wellness? Dann sind die Ski-Thermen-Kombitickets der Gerlitzen Alpe vielleicht etwas für euch. Mit dem 2-, 3- oder 4-Tages-Ski-Thermen-Kombiticket der Gerlitzen Alpe ist der tägliche Eintritt (Fun-Bereich) in die KärntenTherme frei.
Oder doch lieber eine Runde Eislaufen? Kufenflitzer drehen ihre Runden in der großen Eislaufhalle in Steindorf am Ossiacher See oder in der Stadthalle in Villach. Der Eislaufplatz vor dem Villacher Rathaus mitten in der Innenstadt ist vor allem am Abend ein magisches Erlebnis auf Eis. Dort kann man auch günstig Eislaufschuhe ausleihen.
Schön sind auch Winterwanderungen im Naturpark Dobratsch oder Panorama-Winterwanderweg an der Gerlitzen.
Am Westrand von Villach, direkt an der Villacher Straße und der Villacher Alpenstraße gelegen, liegt die Villacher Alpen Arena. Hier gibt es nicht nur ein Mehrzweckspielfeld für Ball- und Inlinehockey, einen Klettergarten, einen Rodelhügel im Winter und die Feuerwehrwettkampfbahn, sondern auch Skiroller- und Langlaufstrecken. Am Eingang zum Naturpark Dobratsch gelegen, lässt sich die Loipe in Länge und Höhenprofilen beliebig variieren und ermöglicht durch ihre verschiedenen Schwierigkeitsgrade SportlerInnen ein perfektes Ausdauertraining. Aber auch Hobbysportler, Anfänger und Kinder sind hier herzlich eingeladen, die Faszination der Bewegung auf „Rollen“ und Langlaufskiern kennenzulernen.
Fakten zum Langlaufen in der Villacher Alpen Arena:
Das Skigebiet auf der Gerlitzen besticht weniger durch hochmoderne Liftanlagen und steile, abwechslungsreiche Pisten als durch Familienfreundlichkeit und das Flair am Berg. Es gibt viele schöne Abfahrten, die allesamt nicht allzu anspruchsvoll, aber dafür schön breit und sehr gut präpariert sind. Unsere Highlights waren definitiv der Panoramablick vom Gipfel, die hervorragenden Hütten, die Abfahrten ins Tal zu den Klösterlebahnen und natürlich auch das Angebot für Anfänger und Familien an der Kanzelhöhe. Toll ist auch die Verbindung von Urlaub in der Stadt mit direkter Anbindung (Zug, ÖPNV, Auto) ans Skigebiet – beide Welten lassen sich hier in Villach optimal verbinden. Wer also auf der Suche nach einem besonderen Skiurlaub ist, in dem es nicht ausschließlich um das Skifahren geht, der findet hier gute Voraussetzungen!