Nach 15 Jahren regulärem Winterbetrieb wird der organisierte Ski- und Schlittenbetrieb am Kolbensattel bei Oberammergau endgültig eingestellt. Künftig soll das Gebiet im Winter als frei zugänglicher Skiraum genutzt werden. Die Kolbensesselbahn, die Kolbensattelhütte und der Alpine Coaster bleiben dagegen auch in der kalten Jahreszeit geöffnet.
Die Betreiber des Kolbensattels haben die Entscheidung in einer Mitteilung an die Haushalte der Region ausführlich begründet. Ausschlaggebend seien vor allem die schwieriger werdenden Wintersportbedingungen, steigende Kosten für die technische Beschneiung und der zunehmende wirtschaftliche Druck.
Am Kolbensattel in Oberammergau endet eine Ära: Nach 15 Jahren endet der reguläre Winterbetrieb. Seit dem Winter 2011/2012 wurde am Kolbensattel wieder ein regulärer Ski- und Schlittenbetrieb angeboten. Mit Ablauf der von der Gemeinde vorgegebenen 15-jährigen Betriebsverpflichtung endet dieses Konzept nun.
Künftig wird es am Kolbensattel keine präparierten Skipisten und keinen regulären Liftbetrieb mehr geben. Auch die technische Beschneiung wird eingestellt. Stattdessen steht das Gelände im Winter als „freier Skiraum“ zur Verfügung. Tourengeher und andere Wintersportler können das Gebiet damit grundsätzlich eigenverantwortlich nutzen.
Die Kolbensesselbahn soll weiterhin verkehren und Besucher auf den Berg bringen. Auch die Kolbensattelhütte bleibt geöffnet. Eine weitere wichtige Attraktion für den Winterbetrieb ist der Alpine Coaster, der von den Betreibern ausdrücklich als allwettertaugliches Angebot positioniert wird.
Als einen wesentlichen Grund für das Ende des Ski- nud Rodelbetriebs nennen die Betreiber die veränderten klimatischen Bedingungen. Der Kolbensattel liegt in einer Höhenlage zwischen etwa 850 und 1.270 Metern. Gerade in dieser Höhenlage wird die Abhängigkeit von der technischen Beschneiung zunehmend größer.
Nach Angaben der Betreiber von der AktivArena am Kolben GmbH & Co. KG stieg der technische und finanzielle Aufwand in den vergangenen Jahren immens: In immer kürzeren Zeitfenstern muss ausreichend Schnee produziert werden. Gleichzeitig benötigt die Beschneiung große Mengen Wasser und Energie.
Besonders deutlich machen die Betreiber den wirtschaftlichen Druck anhand der Energiekosten. Seit dem Beginn des Ukrainekriegs seien die Ausgaben für die Energie zur Schneeproduktion um rund 160 Prozent gestiegen. Das Wasser für die Beschneiung wird aus der Ammer entnommen und muss mit erheblichem Energieaufwand zum Kolbensattel gepumpt werden.
Allein die Energiekosten hätten in den vergangenen Wintern zwischen 80.000 und 100.000 Euro pro Saison gelegen. Hinzu kommen unter anderem die Kosten für Diesel und den Betrieb der Pistenpflegegeräte.
Auch die Wasserverfügbarkeit wird nach Darstellung der Betreiber zunehmend zum Problem. Die Entnahme aus der Ammer ist nur bis zum mittleren Niedrigwasserabfluss möglich. In trockenen Wintern besteht damit das Risiko, dass gerade dann nicht ausreichend Wasser zur Verfügung steht, wenn aufgrund niedriger Temperaturen beschneit werden könnte.
Besonders entscheidend für die Einstellung des Winterbetriebs sind die wirtschaftlichen Zahlen. Nach Angaben der Kolbensattel-Betreiber war der Winterbetrieb seit der Saison 2019/2020 jedes Jahr ein Verlustgeschäft. Allein in den vergangenen drei Wintern summierten sich die Verluste demnach auf etwas mehr als eine Million Euro.
Bereits nach dem besonders schlechten Winter 2023/2024 wurde das Betriebskonzept verändert. Das Skifahren vom Kolbensattel ins Tal wurde eingestellt. Stattdessen sollte eine beschneite Winterrodelbahn angeboten werden. Doch auch diese Variante konnte die wirtschaftliche Situation nicht verbessern. In den beiden darauffolgenden Wintern lag das Defizit laut Betreiberangaben jeweils bei rund 360.000 Euro.
Damit wurde deutlich, dass sich der Winterbetrieb in seiner bisherigen Form wirtschaftlich nicht mehr darstellen lässt.
Neben Beschneiung und Energie schlägt auch der Personalaufwand zu Buche. Während des Winterbetriebs werden zusätzlich zur Kolbensesselbahn und zum Alpine Coaster Mitarbeiter für Schlepplifte, Seillifte und den Rodelbetrieb benötigt.
Hinzu kommen die Beschäftigten für Beschneiung und Pistenpräparierung. Nach Angaben der Betreiber ist dieser Aufwand in den vergangenen 15 Jahren insbesondere während der Wintermonate deutlich gestiegen. Gleichzeitig habe man die Preise nicht in entsprechendem Umfang erhöhen können.
Das Ergebnis: Selbst Investitionen in eine leistungsfähigere Beschneiungsanlage konnten die grundsätzliche Entwicklung nicht stoppen.
Während der reguläre Winterbetrieb aufgegeben wird, wollen die Betreiber am Sommerangebot festhalten und weiter investieren. Der Kolbensattel verfüge über ein starkes Sommergeschäft, das in der Vergangenheit schwächere Winterergebnisse zumindest teilweise ausgleichen konnte.
Mit den inzwischen entstandenen Verlusten sei dies jedoch nicht mehr möglich. Gleichzeitig betonen die Betreiber, dass das Unternehmen wirtschaftlich gesund sei und keine öffentlichen Zuschüsse benötige.
Seit der Übernahme der Anlagen seien nach eigenen Angaben mehr als sechs Millionen Euro investiert worden.
Für klassische Skifahrer verändert sich das Angebot am Kolbensattel grundlegend. Präparierte Pisten, technische Beschneiung und der reguläre Liftbetrieb für den alpinen Skisport gehören künftig der Vergangenheit an.
Gleichzeitig verschwindet der Kolbensattel nicht aus dem Wintertourismus. Die Kolbensesselbahn bleibt bestehen und bringt Besucher weiterhin auf den Berg. Die Kolbensattelhütte bleibt ebenfalls geöffnet. Der Alpine Coaster soll auch im Winter betrieben werden.
Für Skitourengeher und andere Wintersportler entsteht dagegen ein neues Nutzungskonzept: Der Kolbensattel soll als freier Skiraum zur Verfügung stehen. Damit wird aus dem klassischen kleinen Skigebiet ein Bergsportgebiet, in dem die individuelle Nutzung des Geländes stärker in den Mittelpunkt rückt.
Die Entwicklung am Kolbensattel steht zugleich beispielhaft für eine grundsätzliche Herausforderung vieler kleiner Skigebiete in den bayerischen Voralpen: In Höhenlagen unterhalb von etwa 1.500 Metern wird der wirtschaftliche Betrieb mit künstlicher Beschneiung angesichts steigender Temperaturen, hoher Energiepreise und zunehmender Wetterunsicherheit immer schwieriger.
Der Kolbensattel zieht daraus nun Konsequenzen – und setzt seine Zukunft vor allem auf den Sommerbetrieb sowie auf alternative Angebote im Winter.
Von dieser Entwicklung nicht betroffen bleiben vorerst die Wanklifte in Oberammergau, die in der Saison 2026/27 planmäßig in Betrieb sein sollen.
03.08.2026
Die anhaltend hohen Temperaturen, die fehlende nächtliche Abkühlung, wiederholte Gewitter sowie die veränderten Schnee- und Gletscherverhältnisse lassen einen sicheren und qualitativ hochwertigen Skibetrieb für Gäste derzeit nicht mehr zu.