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Lawinen - Prävention

Sicherheit abseits der Piste

Lawinen sind Naturgewalten mit starken Auswirkungen. Eine absolute Sicherheit vor Lawinen gibt es nicht. Umso wichtiger ist es, sich über die Gefahren bewusst zu sein und erforderliche Präventionen zu treffen.

Freeriden und Skitouren abseits der Piste sind sehr beliebt bei vielen Wintersportlern. Dabei sind Präventionsmaßnahmen, Umgang mit dem Equipment, Beurteilung der Lawinenlage und Erfahrung im Gelände wichtig für eine erfolgreiche und möglichst unfallfreie Durchführung.

Sicherheitsausrüstung

Bei einem Lawinenabgang hängt das Überleben der Opfer, sofern diese lebend verschüttet werden, vom Zeitfaktor der Bergung ab, die nur mit speziellen Geräten möglich ist. Zur Standardausrüstung eines Winterurlaubers, der sich abseits der Piste bewegt, sollte ein Lawinenairbag, das LVS-Gerät, Lawinensonde und eine Lawinenschaufel gehören.

ABS Avalanche Airbag
Der ABS Lawinenairbag Silver Edition © ABS Avalanche Airbag

Was ist ein Lawinenairbag-Rucksack?

Ein Lawinenairbag dient der Verringerung des Verschüttungsgrades. Der Airbag ist wie ein Rucksack zu tragen und wird im Notfall per Reißleine aktiviert. Zwei Luftkammern befüllen sich sofort mit Stickstoff und geben dem gefährdeten Skifahrer Auftrieb. Mit Hilfe des Airbags soll die Verschüttungstiefe bzw. das vollkommene Verschütten des Benutzers verhindert werden. Mittlerweile gibt es Airbags mit einem abnehmbaren Rückenprotektor. Der ABS® Lawinenairbag Twin Bag verhindert nicht nur eine Verschüttung, sondern schützt zusätzlich vor möglichen Sturzverletzungen.

Lawinenverschüttetensuchgerät

Ein weiterer Sicherheitsfaktor ist das sogenannte LVS-Gerät, ein Lawinenverschüttetensuchgerät. Das LVS-Gerät lässt sich auf zwei Betriebsarten einstellen: Sende- und Suchbetrieb. Im Modus des Sendebetriebs kann ein Verschütteter per Signalortung "Pieps" geborgen werden. Im Suchbetrieb kann das Gerät zur Ortung von Lawinenopfern genutzt werden. Bei der Suche gibt das Gerät per akustischem Piepston die Lage des Opfers an. Ein Schulung mit dem Gerät ist sehr wichtig und wird dringend empfohlen, um im Notfall eine schnelle Handhabung zu gewährleisten. In vielen Skigebieten gibt es mittlerweile ein LVS-Testsuchfeld, in dem man "Verschüttete" suchen und Kurse im Umgang mit den Geräten absolvieren kann.

Lawinenschaufel

Ist das Opfer geortet, kommt die Lawinenschaufel zum Einsatz. Ohne Schaufel ist es kaum möglich eine Bergung vorzunehmen, da die Schneeschichten stark verdichtet aufeinander lagern. Die Lawinenschaufeln sind sehr handlich und leicht und können bequem von jedem Wintersportler am Rucksack getragen werden. Bei der Qualität gibt es große Unterschiede, wobei viele weiterhin die Schaufeln aus Aluminium bevorzugen. Diese sind zwar etwas schwerer, dafür aber robuster und sind daher effizienter einsetzbar. Es gibt auch leichte Schaufeln aus Carbon, der Umgang muss aber geübt sein.

Info

Benötigte Sicherheitsausrüstung

  • LVS-Gerät
  • Lawinenairbag
  • Lawinenschaufel
  • Lawinensonde
  • Erste-Hilfe Ausrüstung
  • Kommunikationsmittel zur Alamierung des Rettungsdienstes

Inhalt von Lawinenkursen

  • Einschätzen von Gefahrenlagen
  • Umgang mit LVS-Gerät und Sonde
  • Planen von Touren
  • Umgang mit Lawinenlagebericht
  • Schnee- und Lawinenkunde

Die Lawinengefahrenskala

  • Stufe 1/Grün: Gering
  • Stufe 2/Gelb: Mäßig
  • Stufe 3/Orange: Erheblich
  • Stufe 4/Rot: Groß
  • Stufe 5/Rot-schwarz kariert: Sehr groß
Übung mit Lawinensonden
Übung mit Lawinensonden © Lawinenwarndienst Tirol

Lawinensonde

Zur weiteren Standardausrüstung gehört die Lawinensonde. Sie dient vor allem zur Feinortung der Verschütteten. Nachdem bereits mit dem LVS-Gerät die Bergung eingegrenzt wurde, wird mit Hilfe der Sonde das betroffene Areal, meist mit einem Suchtrupp, rasterartig durchsucht. Die Sonde wird dabei senkrecht in den Schnee gesteckt und testet auf Widerstand. Erfahrene "Sucher" erkennen, ob es sich beim Widerstand um normale Schneemassen, Felsen, Eisschichten oder den Verschütteten handelt. Mit Hilfe der Sonde kann die genaue Lage und Tiefe des Verschütteten festgestellt werden.

Besuch von Lawinenschulungen

Wer viel abseits der Pisten und im freien Gelände unterwegs ist, der sollte einen Lawinenkurs besuchen. Im Rahmen eines solchen Kurses lernt man die Grundkenntnisse, um Gefahrenlagen im Berg richtig einschätzen zu können. Außerdem wird der Umgang mit LVS-Gerät und Sonde geübt und das richtige Verhalten bei einem Lawinenunfall trainiert. Bei manchen Kursen ist auch ein Erste Hilfe-Lehrgang einbegriffen.

Rettungsübung Lawinenschulung
Rettungsübung © Lawinenwarndienst Tirol

Im theoretischen Teil lernen die Teilnehmer wie man Touren abseits der Pisten richtig plant, man erhält eine Einführung in die Schnee- und Lawinenkunde und es wird vermittelt, wie man den Lawinenlagebericht richtig benutzt.

Kurse zur Lawinenschulung bietet unter anderem der DAV Summit-Club an, aber auch viele Skischulen und andere Alpinsport-Unternehmen haben Kurse im Angebot. Die Schulungen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Dauer (ein oder mehrere Tage) und des Schulungsumfangs. Meist werden spezielle Kurse für Einsteiger und weiterführende Schulungen für Fortgeschrittene angeboten.

Europäische Lawinengefahrenskala

Vor der Fahrt in ungesichertes Gelände sollte man sich immer mit der aktuellen Wetter- und Lawinensituation auseinandersetzen. Allerdings kann sich die Lawinensituation auf Grund von meteorologischen Einflüssen im Tagesverlauf ändern. Deshalb informiert der zuständige Lawinenwarndienst mehrmals täglich über die aktuelle Lawinengefahr, die meist auch an den Pistenplänen im Skigebiet ersichtlich ist. Allerdings kann die tatsächliche Lawinenlage lokal von dem Lagebericht abweichen.

Europäische Lawinengefahrenskala
Europäische Lawinengefahrenskala © Lawinenwarndienst Tirol

Die Lawinengefahrenskala vermittelt dabei auf den ersten Blick eine Übersicht, wie sich die aktuelle Gefahrensituation darstellt. Sie ist unterteilt in fünf Stufen, die mit unterschiedlichen Zahlen und Farben markiert sind.

Bei Stufe 1 (Grün) sind Lawinen nur bei großer Zusatzbelastung und an extremen Steilhängen möglich. Mäßige Lawinengefahr markiert Stufe 2 (Gelb), hier sind Lawinen nur an angegebenen Steilhängen und bei großer Zusatzbelastung erwartbar.

Bei Warnstufe 3 (Orange) herrscht erhebliche Lawinengefahr, hier können an Steilhängen bereits bei geringer Belastung Lawinen abgehen. Viele mittlere, aber auch große Lawinen sind bei Stufe 4 (Rot) auch bei wenig Zusatzbelastung möglich und bei Stufe 5 (schwarz-rot kariert) herrscht sehr große Lawinengefahr. Bei solchen Bedingungen sind viele große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände, möglich. Ab Stufe 4 sollte man auf Touren abseits der Piste verzichten.

Einen detaillierten Überblick über die Lawinensituation in der Region liefern Gefahrenstufenkarten.

Eine niedrige Lawinenstufe bedeutet jedoch nicht, dass keine Gefahr durch Lawinen droht. Nach Auswertung der Unfallstatistik passieren mehr tödliche Unfälle bei Lawinenstufe 2 und 3 als bei Stufe 4 und 5. Das liegt zwar zum Teil daran, dass ab Stufe 4 deutlich weniger Wintersportler den gesicherten Skiraum verlassen. Trotzdem zeigt es, dass auch bei der Lawinenstufe 2 und 3 häufig tödliche Lawinen vorkommen.

Lawinenschutz

Gefahrenstufenkarte
Gefahrenstufenkarte © Lawinenwarndienst Tirol

Viele Bergregionen versuchen durch aktive Lawinenschutzmaßnahmen das Entstehen von Lawinen zu verhindern. So werden Aufforstungsprogramme durchgeführt, damit Schutzwälder entstehen. Wälder bilden natürliche Hindernisse, die verhindern, dass große Schneebretter ins Rutschen kommen. Den gleichen Effekt haben künstliche Schutzbauten wie Netze, Gitter und Barrieren, die parallel zum Hang aufgebaut werden. In den letzten Jahren wurde der Lawinenschutz deutlich verbessert.

Hat sich an einem Hang bereits eine kritische Masse an Schnee angesammelt, so kann durch bewusst herbeigeführte Sprengungen ein unkontrollierter Lawinenabgang verhindert werden. Für gezielte Sprengungen gibt es zwei Methoden. Bei guter Witterung werden gefährliche Stellen mit einem Helikopter angeflogen. Von dort wird ein kleines Sprengstoffpaket in den Hang geworfen und anschließend zeitverzögert gezündet. Das Problem ist, dass bei starkem Wind oder schlechter Sichtweite keine Sprengungen durchgeführt werden können. Deshalb wurden im letzten Jahrzehnt stationäre Sprengsysteme installiert. Mit diesen wird direkt oberhalb der Schneedecke eine Explosion mittels Gas oder Sprengstoff erzeugt. Die Zündung wird aus sicherer Entfernung ausgeführt und ist witterungsunabhängig.

Zum Lawinenschutz gehören außerdem Maßnahmen wie das Sperren von Skigebieten oder Straßen bei großer Lawinengefahr bis hin zur Evakuierung.

Was tun Skigebiete für den Lawinenschutz? Wir haben es uns hinter den Kulissen angeschaut!

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