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Lawinen - die weiße Gefahr

Lawinenkunde: Wie entstehen Lawinen und welche Arten gibt es?

Skifahren, Snowboarden und Tourengehen - Winterport abseits der Piste wird immer beliebter. Doch leider verbirgt sich hinter dem schneeweißen Vergnüngen oft eine tödliche Gefahr. Jährlich verunglücken zahlreiche Menschen aufgrund von Lawinen.

Lawinenabgang
Ausläufer einer Nassschneelawine
© Deutscher Alpenverein / Stefan Winter

Entstehung Lawinen

Von Lawinen spricht man, wenn sich große Teile der Schneeoberfläche ablösen und als geschlossene Schneedecke den Berghang herabrutschen. Die Ursachen dafür sind unterschiedlich. Es wird zwischen natürlichen und externen Auslösern unterschieden.

Natürliche Auslöser

Neuschnee gehört zu den häufigsten Lawinenauslösern. Die Gefahr liegt hierbei im schnellen Anhäufen der Schneemasse. Oft nur locker auf der Oberfläche angelagert, besteht das Risiko eines plötzlichen Abrutschens. Je nach Wetterlage kann starker Niederschlag durch Auflockerung der Schneemassen die Entstehung von Lawinen beeinflussen.

Schneeverwehungen mit sogenannten Triebschnee treten bei mäßig bis starkem Wind auf. Die verwehten Schneemassen lagern sich vorwiegend an windgeschützten Hanglagen als Triebschneedecke ab. Lose und ungebunden auf der alten Schneeschicht auflagernd, besteht die Gefahr eines abrupten Lawinenabgangs in Form eines gefährlichen Schneebretts.

Die Temperaturen sind auch ein wichtiger Faktor bei der Lawinenentstehung. Durch Erwärmung der oberen Schneemassen verringert sich die Schneefestigkeit. Die Folgen sind ein Abschmelzen der oberen Schicht und das Abrutschen der Schneemasse. Gerade im Frühling mit intensiver Sonneneinstrahlung besteht erhöhtes Lawinenrisiko.

Das Gelände spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei Lawinen. Besonders an Hangprofilen mit einer Neigung von 30 bis 50 Prozent ist das Risiko für Lawinen sehr hoch. Unsicher gelten auch vegetationsarme Hänge, hier können die Schneemassen ungehindert mit großer Geschwindigkeit den Berg hinunterstürzen.

Externe Auslöser

Ca. 90 Prozent der Lawinen werden durch Belastungen, meist durch Tier oder Mensch, ausgelöst. Bereits geringe Belastungen bewirken eine Instabilität der Schneedecke und lösen Lawinen aus. An gefährdeten Hängen werden oftmals kontrollierte Sprengungen vorgenommen um präventiv eine Lawine auszulösen.

Info

Lawinen Faktoren

Natürliche Auslöser

Wechselwirkungen verschiedener Faktoren begünstigen die Entstehung von Lawinen

  • Temperatur
  • Wetterlage
  • Schneemenge
  • Schneebeschaffenheit
  • Geländeprofil

Externe Auslöser

  • Belastungen, meist durch Tier und Mensch
  • Kontrollierte Lawinen durch Sprengung
Staublawine
Gefährliche Staublawine
© WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF

Lawinenarten

So breit das Spektrum an Lawinenauslösern ist, so zahlreich sind auch die verschiedenen Lawinenarten. Lawinen werden in vier Typen eingeteilt: Staublawine, Schneebrettlawine, Lockerschneelawine und Fließlawine. Beim Abgang erreichen diese Lawinen zum Teil Höchstgeschwindigkeiten von über 300 km / h.

Staublawinen

Meist bei starken Neuschnee tritt diese Art von Lawinen an sehr steilen Hängen mit einer Neigung ab 40 Grad auf. Ähnlich eines Wirbelsturms entsteht beim Abgang des Schneebretts durch die Mischung aus Luft und Schnee eine enorme Druckwelle. Bei Staublawinen besteht erhöhte Erstickungsgefahr. Der aufgewirbelte trockene Schnee vermischt sich mit der Luft zu einem gefährlichen Aerosol-Gemisch, welches durch extremen Druck in die Atemwege gepresst wird und sich in den Lungen ablagert. Staublawinen sind mit ihrer rasanten Geschwindigkeit auch für einen gegenüberliegenden Hang gefährlich, da sie ähnlich einer Wasserwelle an dieser Seite aufschlagen können. Sie gelten als die gefährlichste Art von Lawinen und lösen oft dramatische Lawinenkatastrophen aus.

Schneebrettlawinen

Meistens werden Schneebrettlawinen durch Belastungen von Tier oder Mensch ausgelöst. Diese Art von Lawinen ist durch einen linienförmigen Abriss in der oberen Schneedecke, welche quer zum Hang liegt, gekennzeichnet. Für den Betroffenen besonders gefährlich ist die Tatsache, dass der Abriss des Schneebretts oberhalb der "Störungsstelle" liegt. Der auslösende Faktor wie zum Beispiel Skifahrer wird somit direkt von der Lawinen erfasst und meist vollständig verschüttet.

Schneebrettlawine
Schneebrettlawine
© WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF

Lockerschneelawine

Diese Art beginnt punktförmig und nimmt im Verlauf an Breite und Gewicht zu. Voraussetzung für eine solche Lawine ist ungebundender Schnee, der sich leicht von der untersten Schneeschicht ablöst. Bekannt ist diese Art von Lawinen vor allem durch Comics. Dort wird die Lawine oftmals als ein überdimensionaler herabrollender Schneeball dargestellt. In der realen Natur ähnelt der Ausläufer einer Lockerschneelawinen eher einem Tropfen bzw. einer Birne.

Fließlawine

Fließlawinen treten vor allem im Frühjahr auf. Bei Tauwetter verringert sich die Stabilität des Schnees, so dass matschige Schneemassen den Hang hinunterfließen. Mehrere tausend Tonnen schwer walzen die Schneemassen alles nieder, was ihnen in den Weg kommmt. Oftmals hinterlässt die Lawine an der Abrutschstelle einen komplett schneelosen Hang.

Lawineninfos über WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF