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Mit E in den Schnee: Mit dem Elektroauto in den Skiurlaub, geht das?

06.04.2022
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Die meistgestellten Fragen in den Autohäusern, wenn es um den Kauf eines Elektroautos geht, drehen sich vermutlich um die Reichweite und die Organisation der Ladevorgänge auf langen Strecken. Kann man mit einem E-Auto wirklich entspannt in den Urlaub fahren? Was muss man dabei beachten? Welche Urlaubsländer und -regionen eignen sich am besten für einen Winterurlaub im Schnee, wenn ich mit dem Elektroauto aus Deutschland anreisen möchte? Wir haben euch die aktuelle Situation (dieser Artikel ist erstmals im Jahr 2022 erschienen) zusammengefasst und wollen euch an dieser Stelle gerne die Ängste nehmen – denn auch mit einem Elektroauto kann man heutzutage ganz einfach und ohne großen Mehraufwand in den Skiurlaub fahren.

Viele Bedenken unbegründet – aber bei weitem nicht alle

Reichweite nimmt im Winter tatsächlich ab

Das Fehlen adäquater Reichweite, der höhere Stromverbrauch im Winter, die Ungewissheit, ob und wie man sein Elektroauto wieder aufladen kann – die Bedenken von Autofahrern sind nicht zu unterschätzen.


Fakt ist: Im Winter verbrauchen E-Autos im Schnitt 10 bis 30 % mehr Strom als im Hochsommer. Das berichtet zumindest der ADAC. Dies hat gleich mehrere Gründe: Natürlich muss im Winter der Innenraum beheizt werden, was Energie frisst. Vor allem aber auch, und das wissen nur Wenige, muss die Batterie selbst beheizt werden – und die wiegt in einem Elektroauto ja mehrere hundert Kilo und ist dementsprechend bei Minustemperaturen ein richtiger Eisblock. Der Akku bzw. die elektrochemischen Prozesse funktionieren in einem Elektroauto am besten bei einer „Arbeitstemperatur“ von 20-40 Grad Celsius. Um diese Temperatur bei winterlicher Außentemperatur zu erreichen, wird meist eine Wärmepumpe im Wagen verbaut, die enorm viel Energie benötigt. Die Batterie leeren, damit die Batterie besser arbeiten kann – komisch, oder? Finden E-Auto-Besitzer wahrscheinlich weniger, denn sie müssen sich am Ende mit der geringeren Gesamtreichweite ihres Fahrzeugs abfinden. Der ADAC hat ermittelt, dass insbesondere auf der Kurzstrecke der Mehrverbrauch an Energie bei 40-99 % liegt – der VW ID3 bei -7 Grad also fast das Doppelte an Strom verbraucht wie bei +14 Grad. Bei Langstrecken sieht es nicht ganz so düster aus, zudem muss bedacht werden, dass auch Benziner und Dieselautos im Winter deutlich mehr Kraftstoff verbrauchen als im Sommer (ca. 10-20%).


Die gute Nachricht ist: Selbst bei winterlichen Temperaturen muss man keine Angst haben, dass sich in einem langen Stau bei einer Vollsperrung die Batterie schnell entlädt. Ein Test zeigte, dass selbst bei deutlichen Minusgraden Autos mit eingeschalteter Sitzheizung, Innentemperatureinstellung auf 22 Grad sowie eingeschaltetem Standlicht nur 2-3 KW verbrauchen – so dass man je nach Batteriegröße locker zwölf Stunden und mehr in einem Stau verharren könnte.

Tipps für den Betrieb eines E-Autos im Winter

Elektroautos können in der Regel mit einer Standheizung vorgeheizt werden. Dies sollte man möglichst machen, wenn das Auto am Stromnetz hängt – und im Winter nicht in ein kaltes Auto einsteigen, dass dann mit Strom aus der Batterie aufgeheizt werden muss. Übrigens ist die meist serienmäßige Standheizung, die bei vielen Modellen über eine App gesteuert werden kann, ein echter Vorteil von E-Autos gegenüber Benzinern, die ja häufig ziemlich lange brauchen, bis mal warme Luft aus der Heizung kommt.


Apropos Luft: Der ADAC empfiehlt, die reguläre Heizung im Winter eher auf niedriger Temperatur zu halten und dafür die Sitzheizung, Lenkradheizung und Heizdrähte vermehrt zu nutzen, da diese effektiver heizen. Allgemeine Tipps wie das Parken in der Garage sowie das Fahren im Eco-Modus können ebenso Strom sparen – und somit die Reichweite erhöhen.


Wichtig: Wenn ihr das Auto laden möchtet, solltet ihr das nicht im kalten Zustand tun. Denn dann wird im Normalfall das Batteriemanagement-System eures Wagens die Ladeleistung reduzieren, um den Akku nicht zu beschädigen. Die Ladezeit wird damit erheblich länger.


Wie kann man seine Reichweite im Winter noch erhöhen? Zum Beispiel mit der Wahl der richtigen Reifen: Je weniger Rollwiderstand eure Winterreifen haben, desto weniger Energie verbraucht der Antrieb. Achtet beim Kauf also darauf, eher schmale Reifen zu wählen, die beim Rollwiderstand einen niedrigen Wert ausweisen. Ein zu niedriger Reifendruck kann den Rollwiderstand erhöhen. Bei Schneefall gilt es, Reifen und Auto von Schnee zu befreien – denn auch das zieht Energie. Und sogar beim Fahren auf nasser Straße kann man, wenn man in den Spuren der Autos vor einem fährt, Energie sparen. Innerhalb der Spuren ist nämlich der Rollwiderstand geringer als auf regennasser Fahrbahn, auf der man das Wasser verdrängen muss.


Wichtiger Tipp: Im Winter (aber auch im Sommer) solltet ihr das Auto nicht mit leerem Akku mehrere Stunden parken. Das schadet den Akkuzellen! Manche Hersteller empfehlen sogar, dass Auto bei Frost nicht mit einem Ladestand unterhalb von 40% abzustellen. Also: Nach Ankunft gilt es grundsätzlich immer zunächst das Auto an den Strom zu hängen, um es optimal zu versorgen.


Echte Stromsparfüchse sind also bei der Reise mit dem E-Auto gefragt. So wie Stefan Möller von Nextmove, der in einem Youtube-Tutorial noch zahlreiche weitere Tipps gibt. So heizt er zum Beispiel den Innenraum des Autos deutlich wärmer vor als nötig, damit das Auto beim Fahren die Temperatur nur noch halten muss und der Innenraum nicht mehr erwärmt werden muss. Beim Aussteigen bleiben die Türen nur möglichst kurz geöffnet, damit keine Wärme verloren geht. Und und und… Wir empfehlen einen Blick in das Video, da bekommt ihr noch viele weitere Tipps zum Stromsparen im E-Auto:

Skiurlaub: Reiseplanung mit dem Elektroauto

Eigentlich ist es egal, ob man mit einem Benziner oder mit einem E-Auto in den Skiurlaub fährt: Die Reiseroute sollte man sich vorher genau überlegen und auf einer Karte (im Internet oder ganz altmodisch im Straßenatlas) angesehen haben. Bei einem Elektroauto kommen nun aber noch ein paar Dinge hinzu, die es zu beachten gilt. Zunächst ist es derzeit noch so, dass es relativ wenige öffentliche Ladestationen gibt. Derzeit gibt es etwas mehr als 15.000 „normale“ Tankstellen in Deutschland, jede mit zahlreichen Zapfsäulen ausgestattet. Im Schnitt kann man vermutlich mit sechs bis acht Säulen pro Tankstelle rechnen, zudem dauert der Tankvorgang nur wenige Minuten.


Öffentliche Elektroladestationen hingegen gibt es deutschlandweit 28.100 (Stand: Q1/2022, statista.com) mit insgesamt 48.225 Normalladepunkten und 8.401 Schnellladepunkten (Quelle: Bundesnetzagentur). Klingt gar nicht so wenig im Vergleich mit der Anzahl der Tankstellen, allerdings muss man beachten, dass es teilweise pro Tankstelle ein Dutzend oder mehr Zapfsäulen gibt und es zudem, je nach Modell, mindestens 30 Minuten dauert, um ein Elektroauto vollständig zu laden. Allerdings wächst das Angebot an öffentlichen Ladesäulen sehr schnell, zudem besteht sogar die Möglichkeit, über Plattformen wie www.youcharge.me Privatanbieter zu finden, die ihre Lademöglichkeiten zur Verfügung stellen. Und da sehr viele E-Auto-Besitzer eine Ladestation zuhause haben, ist auch dies ein logischer und einfacher Weg, sein Auto unterwegs aufzuladen.


Nichtsdestotrotz: Die Reiseroute sollte gut geplant sein. Am besten nutzt man Online-Portale wie abetterrouteplanner.com, die einem die öffentlich zugänglichen Ladestationen anzeigen, oder Apps wie die von der Bundesnetzagentur. Mit ein paar Minuten Vorbereitung sollte es also kein Problem sein, auch lange Wege ohne Probleme zurückzulegen. Am besten sucht ihr euch natürlich Schnellladestationen, schließt das Auto direkt nach dem Parken an und nutzt die Pausenzeit, um euch zu erholen, den Toilettengang einzuschieben und etwas zu essen oder zu trinken.


Übrigens: Auch in Österreich und der Schweiz sowie im Norden Italien besteht mittlerweile ein gut ausgebautes Netz an Ladestationen. In Österreich listet goingelectric.de aktuell 6.256 Standorte mit 18.750 Ladepunkten, in der Schweiz knapp 10.000 Ladepunkte. Viele Ladestationsanbieter stellen den Strom sogar kostenlos zur Verfügung, zum Beispiel in Hotels, Tiefgaragen oder öffentlichen Einrichtungen. Sogar manche Firmen wie IKEA, Aldi Süd, Rewe, Hornbach, Lidl & Co. bieten noch kostenloses Laden an, wenn man sein Auto während des Einkaufs auflädt. Man kann also unterwegs in den Urlaub sogar richtig Geld sparen, wenn man seine Route gut plant.

Fazit: Winterurlaub mit dem Elektroauto - mit etwas Planung kein Problem!

Keine Frage, das Elektroauto ist das Fortbewegungsmittel der nächsten 30 Jahre. Danach sieht es zumindest aktuell aus und die Automobilhersteller und der Staat investieren viel Geld, damit die Gesellschaft diesen Weg einschlägt. Die gute Nachricht: Man kann davon ausgehen, dass schon in wenigen Jahren das Netz an Elektroladestationen so engmaschig ist, dass die Planung einer Langstreckenfahrt nicht mehr wirklich notwendig wird. Und schon jetzt kann man mit den Web- und App-Angeboten sehr schnell herausfinden, wo man sein Auto auf dem Weg in den Skiurlaub am besten laden kann.


Auch die Ladezeiten werden sich vermutlich im nächsten Jahrzehnt noch optimieren, so dass sich die Nachteile eines Elektrofahrzeugs weiter minimieren. Und wer sich mit der Technik von Elektrofahrzeugen beschäftigt, die entsprechenden Stromspartipps befolgt und vielleicht im Skiurlaub sogar die Möglichkeit hat, sein Auto eine Woche lang in der Hotelgarage zu parken, für den sollte es keine Argumente mehr gegen ein Elektroauto geben. Vielmehr unterstreicht die Notwendigkeit des Wandels hin zur Elektrik der folgende Wert: Noch im Jahr 2018 wurden innerhalb der EU 888 Millionen Tonnen Kohlendioxid durch PKW und Motorräder verursacht. 26 % des Gesamtausstoßes entfiel auf den Straßenverkehr (Quelle: eurostat) - ein guter Grund für den Umstieg auf emissionsarme Fahrzeuge! Denn auch der Deutsche Alpenverein berichtet: Bergsportler stoßen etwa 80 % der Emissionen auf ihren Touren bei der An- und Abreise aus.

Videotipps aus dem Web:

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