San Martino di Castrozza und der neun Kilometer nördlich davon aufragende Rolle Pass bilden gemeinsam das bezaubernde Skigebiet San Martino di Castrozza – Passo Rolle am Südrand der Dolomiten. Hier wurde in den letzten Jahren mit zahlreichen Modernisierungen sehr viel getan, um das Vergnügen auf den Pisten zu optimieren und das Gebiet als „Perle der Dolomiten“ in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Das ist sehr gut gelungen. Auch die Neuerungen für die Wintersaison 2026/2027 setzen diese Entwicklung fort, und werden die Skifahrer und Snowboarder abermals begeistern. Nur eines ist nach wie vor unverändert geblieben: Das epochale Landschaftsbild.
Der mehrteilige Name des kleinen Bergdorfes San Martino di Castrozza (1450 m) basiert auf einer Verschmelzung von Religion und Geografie. Im Mittelalter wurde ein Pilgerhospiz, das auch dem Heiligen Martin, dem Schutzpatron der Reisenden, gewidmet war, auf der ursprünglichen Alm (Alpe di Castrozza) errichtet, die spätere Ortschaft um die Herberge herum erhielt aus beiden Gegebenheiten ihren Doppelnamen. Zu dieser Zeit diente der Rolle Pass Händlern und Karawanen als Verbindung zwischen der Po-Ebene und Tirol.
Beide Sektoren des Skigebietes bestechen mit ihrer Lage im Naturpark Paneveggio - Pale di San Martino und ihrem unverwechselbaren Panorama. Sie sind von den monumentalen Pala-Dolomiten, die dort ungemein fotogene Bergkulissen bilden, und den rauen Gipfeln der Lagorai-Kette (Fleimstaler Alpen), die sich ihre Wildnis und Einsamkeit bewahrt haben, umgeben.
Seit Herbst 2025 wird an der Seilbahnverbindung zwischen San Martino und dem Rolle Pass gearbeitet, um die Pendelbusse zu ersetzen; die Fertigstellung der rund 4,7 km langen 10-Personen Kabinenbahn ist für Dezember 2027 geplant. Dieser lang ersehnte Zusammenschluss wird das schöne, charmante und familienfreundliche Skigebiet mit seinen 60 Pistenkilometern in die nächste Ära führen.
Skifahren und Snowboarden hat in San Martino durch die Modernisierungen der letzten Jahre enorm an Attraktivität gewonnen. Die Region hat massiv in Infrastruktur investiert, um Komfort und Schneesicherheit zu erhöhen. 2018 wurden veraltete 2er-Sessellifte durch die moderne 10er-Gondelbahn Colbricon Express ausgetauscht, 2019 ersetzte der 6er-Sessellift Cigolera auf der Alpe Tognola den gleichnamigen Schlepplift, 2022 löste die 4er-Sesselbahn Cima Tognola die historische 2er-Doppelsesselbahn ab und seit 2024 ist die innovative 10er-Kabinenbahn Valcigolera statt einer alten 2er-Sesselbahn im Betrieb.
Diese Modernisierungen haben sowohl dazu beigetragen, dass viele beliebte Pisten bequem erreichbar sind, als auch dazu, dass die Fahrzeit mit den Seilbahnen zwischen den Sektionen Tognola und Ces deutlich verkürzt wurde. Die in die Jahre gekommenen 3er-Sessellifte Conca und Scandola auf der Alpe Tognola wurden 2024 komplett abgebaut und werden ab der Wintersaison 2026/2027 durch eine hochmoderne, kuppelbare 6er-Sesselbahn ersetzt, was die Wartezeiten im Tognola-Sektor eliminiert. Außerdem stehen für die Wintersaison 2026/2027 zwei neue Pisten (u.a. „Larici“) bereit, der San Martino Snowpark wird dank vollständiger Renovierung moderner, attraktiver und um die „Dolomia Funslope“ erweitert, und es kommen neue moderne Beschneiungsanlagen zum Einsatz, um die Schneesicherheit zu erhöhen.
Ski-Highlight von San Martino ist das „Carosello delle Malghe“ (Almenkarusell) mit seinen 45 Pistenkilometern und zahlreichen Einkehrmöglichkeiten zwischen Malga Tognola, Cima Tognola, Malga Valcigolera und Punta Ces. Skigenuss wird hier gleich mehrfach unterschiedlich definiert: Für die einen sind es die leichten Schwierigkeitsgrade der Pisten Conca und Scandola, die sonnige Lage, und die atemberaubende Aussicht, für die anderen die sportliche Herausforderung, die sie etwa auf der fünf Kilometer langen „Fantasia 2000“ finden, die vom höchsten und aussichtsreichsten Punkt des gesamten Carosello, der Cima Tognola (2345 m), bis zur Talstation der Tognola-Lifte (1411 m) führt. Oder auf der schwarzen „Tognola Uno“, eine offizielle Europacup-Strecke, die auf ihren drei Kilometern ideal für emotionsgeladene Schwünge modelliert ist. Und: Auch die exzellente Gastronomie in den urigen Hütten, direkt an den Pisten, ist heiß begehrt!
Auch am Rolle Pass gibt es einen feinen blau-rot-schwarz gefärbten Pisten-Mix. Die „Paradiso I“ ist die anspruchsvollste Strecke; sie erfreut sich wegen ihrer spektakulären Aussicht auf den 3184 m hohen Cimon della Pala – der wegen seiner Form ehrenvoll als „Matterhorn“ der Dolomiten bezeichnet wird – zudem großer Beliebtheit.
Den höchsten Punkt im gesamten Skigebiet erreicht man mit der atemberaubenden Rosetta-Seilbahn (2635 m) inmitten der steilen Felsmauern am Westrand der Pala-Dolomiten. Sie ist nach den Bergstationen auf der Punta Rocca (3265 m), am Sass Pordoi (2950 m), beim Bus Tofana (2828 m) und am Kleinen Lagazuoi (2732 m) der fünfthöchste mit Seilbahnen erreichbare Aussichtspunkt im Gebiet des Dolomiti-Superski! Bei guten Bedingungen sollte man es sich auf keinen Fall entgehen lassen, von dort zum Gipfelkreuz der nahen Cima Rosetta (2743 m) zu steigen, um selbst Teil dieser magischen und tief beeindruckenden, janusköpfigen Landschaft, die sich dort präsentiert, zu sein. Was man bei all der Schönheit aber nicht vergessen sollte: Die geschichtsträchtige Lagorai-Kette mit den gut erkennbaren Gipfeln Colbricon und Cavalazza und die Palagruppe (insbesondere der Mulaz) bildeten im Ersten Weltkrieg einen hart umkämpften Abschnitt der Dolomitenfront.
Das Skigebiet begeistert auch mit dem farbenprächtigen Lichtspiel der untergehenden Sonne. Die vielleicht schönste Sicht auf das Naturschauspiel hat man auf der Cima Tognola. Wenn die Felsen und Gipfel der riesigen Felsmauer der Pala-Dolomiten, aus der edle Kletterberge wie die Cima della Madonna mit der „Schleierkante“, die Pala di San Martino mit dem „Gran Pilaster“ oder die eindrucksvolle Turmgestalt des Sass Maor hervorstechen, wie Gold und Feuer beleuchtet werden, während die Umgebung schon im Dunkel versinkt. Auch am Rolle Pass kann man ein intensives Alpenglühen bewundern, wenn das Rot an der faszinierenden Skyline von Cimon della Pala, Cima Vezzana und Cima de Bureloni langsam in ein mystisches Violett übergeht. Doch nicht nur die vom Abendlicht produzierten Flammenwände der drei höchsten Pala-Gipfel strahlen am Rolle Pass magische Anziehungskraft aus, auch die fast zwei Kilometer breite Marmolada Südwand, etwas entfernt im Nordosten.
San Martino di Castrozza und der Rolle Pass sind Teil des Dolomiti-Superski und die Dolomiti-Superski-Regionen Alpe Lusia / San Pellegrino und Val di Fiemme / Obereggen sind gut zu erreichen. Nur 22 km nordöstlich von San Martino entfernt liegt der Passo Valles, von wo aus man über die „Pista degli Innamorati“ (Abfahrt der Verliebten) nach Falcade (Region San Pellegrino) abfahren kann. Der Einstieg in die Region Alpe Lusia in Bellamonte liegt 36 km nordwestlich von San Martino. Bis zur Alpe Cermis bei Cavalese (Region Val di Fiemme) sind es 56 km und die Region Obereggen kann man über die Seilbahn in Predazzo erreichen, die sich 43 km nordwestlich von San Martino befindet. Auch Pozza di Fassa (Dolomiti-Superski-Region Fassatal) liegt mit 47 km Entfernung noch in einer guten Reichweite.
Text und Bilder: Rolf Majcen | www.rolf-majcen.com