Wer im Winter nach Schweden fährt, denkt meist an Lappland, Polarlicht und meterhohen Schnee. Der Süden des Landes liefert davon wenig. Skåne, Blekinge, Halland, Småland und Västergötland bieten dafür etwas anderes, nämlich kurze Wege, leere Wälder und einen Winter, der sich zu Fuß erschließen lässt. Für alle, die keinen Pistenurlaub suchen, ist das die interessantere Hälfte des Landes.
Ein Blick auf die Klimamittel dämpft die Erwartung. In Skåne liegt das Januarmittel zwischen knapp zwei Grad plus auf der Halbinsel Falsterbo und knapp unter null an der Grenze zu Småland, bezogen auf die Referenzperiode 1991 bis 2020. In Halland reicht die Spanne von rund einem Grad plus an der Küste bis etwa minus ein Grad im Landesinneren. Småland ist wegen eines Höhenunterschieds von 377 Metern zweigeteilt, am höchsten Punkt Tomtabacken sind es im Mittel minus 2,5 Grad, auf der Insel Visingsö dagegen etwa null.
Entsprechend selten bleibt Schnee liegen. An den Küsten Götalands ist der Boden im Mittel an weniger als 50 Tagen im Jahr schneebedeckt, während es im Norrlandgebirge gut 200 Tage sind. An Skånes Südküste bildet sich die Schneedecke im Mittel erst Mitte Dezember oder später, die letzten Tage mit Schnee liegen Ende März. In manchen Jahren tritt der meteorologische Winter im Süden gar nicht ein.
Alpine Ansprüche erfüllt der Süden nicht. Die bekannten Skigebiete in Schweden liegen in Dalarna, Jämtland und Härjedalen, zwischen 400 und 1.274 Metern Höhe und trotz dieser geringen Höhe schneesicher, weil die Sonneneinstrahlung in nördlichen Breiten schwach bleibt. Im Süden bleibt Isaberg in Småland, nach eigener Darstellung das größte Skigebiet Südschwedens, mit sieben Liften, darunter einer Sechsersesselbahn, zwei Förderbändern und elf Abfahrten. Rund um die Pisten gibt es ein Hüttendorf, ein Restaurant, ein Sportgeschäft und eine Skischule.
Skandinavien gilt als Wiege des Skilanglaufs, und die Sportart passt zum Süden besser als jede Abfahrt. Was gibt es schöneres, als durch die entlegenden und ruhigen Regionen Südschwedens zu gleiten und nur das Knirschen des Schnees als Begleiter zu haben? Skilanglauf ist gelenkschonend, die geringe Stoßbelastung für Knochen und Gelenke machen den Sport auch für Menschen mit Rücken- und Hüftproblemen interessant. Allerdings: Ob es in Südschweden gespurte Loipen gibt, hängt von der Wetterlage ab – in milden Wintern kommt es vor, dass zu wenig Schnee gibt.
Das macht Winterwandern zur verlässlicheren Planung. Die Wege sind auch ohne Schnee begehbar, die Tage im Dezember kurz und das Licht entsprechend weich. Wer Ausrüstung mitnimmt, packt sie am besten so, dass beides geht, also Wanderschuhe für Matsch und Frost und Langlaufski für den Fall, dass der Winter doch liefert.
Wer in Schweden die Natur erleben möchte, kann sich auf das "Allemansrätten" berufen. Das Allemansrätten bedeutet so viel, dass allen Menschen freier Zugang zur Natur garantiert wird. Es ist in einem der vier schwedischen Grundgesetze verankert, und ringsherum ziehen andere Vorschriften die Grenzen. Praktisch heißt das, dass der Zugang zur Natur weit reicht, die Rücksichtnahme aber verbindlich ist.
Im Winter zählen vor allem drei Regeln. Auf gefrorenem oder schneebedecktem Boden darf man Wiesen und Felder begehen oder mit Ski queren, solange die Saat nicht leidet. Um Wohnhäuser gilt die Hemfridszon, die niemand betreten darf, und für eine Zeltnacht ist noch mehr Abstand angebracht, wobei weder eine Meterzahl noch eine Nächtezahl im Gesetz steht. Motorisierter Verkehr im Gelände fällt nicht unter das Jedermannsrecht, und Totholz oder Windbruch gehören dem Grundeigentümer.
Schweden hat 31 Nationalparks, mehrere davon im Süden und alle rund um die Uhr zugänglich:
In den Schutzgebieten gelten eigene Vorschriften, die dem Jedermannsrecht vorgehen. Örtlich kann das Sammeln von Pflanzen verboten sein, und Kommunen dürfen in bebauten Gebieten eine Leinenpflicht für Hunde anordnen.
Südschweden hat einen praktischen Vorteil, denn es liegt nah. Wer mit dem eigenen Auto anreist, nimmt die Fähre Rostock Trelleborg und steht nach der Überfahrt unmittelbar in Skåne. Die Strecke bedienen zwei Reedereien mehrmals täglich, tagsüber wie nachts, und das Buchungsportal MrFerry nennt für die Überfahrt rund sechs Stunden.
Für die Planung liefert das Portal weitere Angaben. Kabinen sind durchgehend privat und mit eigenem Bad ausgestattet, alternativ lässt sich ein Liegestuhl im Aufenthaltsbereich reservieren. Größenbeschränkungen für Fahrzeuge gibt es nicht, vom Motorrad bis zum Gespann mit Anhänger ist alles möglich, wobei die Maße bei der Buchung anzugeben sind. An Bord gibt es Restaurants und klimatisierte Aufenthaltsräume mit WLAN. Auf einigen Fähren lassen sich Elektroautos an Bord laden. Da das Fahrzeugdeck während der Überfahrt gesperrt ist, reisen Hunde in einer Haustierkabine oder auf den Decks mit. Einchecken sollte man spätestens eine Stunde vor Abfahrt. Ein Mietwagen am Ankunftsort wird so überflüssig, weil das eigene Auto für alle Wege im Land bereitsteht.
Ein paar Regeln unterscheiden sich spürbar von den deutschen. Die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts nennen eine Promillegrenze von 0,2 im Straßen- und Schiffsverkehr, bei Verstößen drohen Haftstrafen bis zu zwei Jahren. Abblendlicht oder Tagfahrlicht ist ganzjährig auch tagsüber Pflicht, und für Geschwindigkeitsüberschreitungen gibt es keine Toleranzgrenze. Stockholm und Göteborg erheben eine Innenstadtmaut, die automatisch erfasst wird, dasselbe gilt für die Brückenmaut in Motala und Sundsvall.
Für die Reifen gilt eine eigene Frist. Zwischen dem 1. Dezember und dem 31. März schreibt die Verkehrsbehörde Transportstyrelsen bei winterlichen Straßenverhältnissen Winterreifen vor, als Mindestprofiltiefe gelten drei Millimeter. Als winterliche Verhältnisse zählt dabei schon Schnee, Eis, Schneematsch oder Reif auf einem Teil der Fahrbahn. Spikereifen sind vom 1. Oktober bis 15. April erlaubt.
Südschweden im Winter ist kein Ersatz für einen Skiurlaub und will auch keiner sein. Es ist eine Reise für alle, die mit wenig Tageslicht, viel Wald und einer unsicheren Schneelage umgehen können. Dafür gibt es leere Nationalparks, kurze Anfahrten ab der Fähre und ein Land, das sich im Winter von seiner ruhigsten Seite zeigt.